ID-Trends

Digitale Identität: Trends und zukünftig Entwicklung

Eine sichere digitale Identität, kurz “Digitale ID“, für Bürger, Unternehmen und Regierungen hat sich weltweit als ein wichtiger Technologietrend etabliert. Für eine wachsende Zahl Privatmenschen, Unternehmensmitarbeitern und Angestellten im öffentlichen Dienst ist eine digitale Identität bereits eine alltägliche Realität. Trotzdem ist die Art und Weise, wie Bürger mit öffentlichen Institutionen interagieren, eine Revolution, bei der die Privatwirtschaft ein zentraler Technologieanbieter ist.

 

Was wurde bisher erreicht bei der Digitalen ID?

Die großen Ideen und Konzepte, die in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen haben, liefern einen verlässlichen Indikatoren dafür, was in den kommenden Jahren und darüber im Bereich der Digitalen ID passieren wird:

Nationale eID-Systeme nehmen an Zahl, Sichtbarkeit und Reichweite zu

  • Die ID4D-Initiative der Vereinten Nationen und der Weltbank setzt sich zum Ziel, allen Menschen auf der Erde bis 2030 einen legalen digitalen Ausweis zu ermöglichen.
  • Neue nationale eID-Programme (einschließlich Karten- und mobilbasierte Systemen) wurden lanciert oder initiiert. Beispiele hierfür sind neue eID-Programme in Algerien, Kamerun, Jordanien, Italien, Senegal und Thailand, sowie Ankündigungen in den Niederlanden, Bulgarien, Norwegen, Liberia, Polen, Jamaika und Sri Lanka und in Myanmar. Die meisten dieser Programme umfassen auch Biometrie, zumeist in Form von Fingerabdrücken.
  • Im Jahr 2016 wurde das Programm Gov.UK Verify eingeführt, und Australien kündigte an, dass die erste Phase seines digitalen Identitätsprogramms im Jahr 2017 beginnen wird.

Neue Technologien und Regelungen sind entstanden, die die digitale Transformation unterstützen und gestalten

  • Digitale Führerscheinprojekte (auch als mobile Führerscheine bekannt) haben in Ländern wie den USA, Großbritannien, Australien und den Niederlanden an Fahrt gewonnen.
  • Frühe Tests von Blockchain-Technologien, z.B. in Estland zur Unterstützung der Entwicklung der bahnbrechenden transnationalen E-Residency. Und auch um zu sehen, wie die E-Residency dazu verwendet werden kann, Sozialhilfezahlungen effizient an die Bürger zu leisten.
  • Intelligente Grenzen und intelligente Flughäfen: In Kombination mit den derzeit zirkulierenden 700 Millionen ePassports und einem starken Schub im Bereich der Biometrie (insbesondere der Gesichtserkennung) ermöglichen die ePassports den Reisenden einen ebenso sicheren wie schnellen Grenzübertritt.
  • Die eIDAS-Verordnung (Electronic Identification and Signature) trat im Juli 2016 in Kraft und schreibt die obligatorische grenzüberschreitende Anerkennung der eID bis September 2018 vor.

Es entstanden neue Standards, die Kompatibilität und Interoperabilität fördern

  • Es wurde eine neue ICAO-Arbeitsgruppe für digitale Reisepässe eingerichtet, die von Australien geleitet wird.
  • Die LDS2-Konzeptionsphase (die Zukunft des ePasses) wurde von der ICAO NTWG Logical Data Structure 2 Untergruppe durchgeführt.
  • Die ISO SC17 WG10 – Task Force 14 „Mobiler Führerschein“ begann mit der Arbeit an Verifikationsstandards für Mobile DL und definierte den Umfang der Offline-Verifizierung. 2017 werden die Entwurfsspezifikationen für die Offline- und Online-Überprüfung für ein neues Arbeitselement angezeigt.
  • Die Arbeitsgruppe IATA mobile ID wurde 2016 gegründet und startete 2017.
  • Das Nationale Institut für Standards und Technologie (NIST) des US-Handelsministeriums vergibt Bundeszuschüsse, um die Entwicklung vertrauenswürdiger Identitäten basierend auf dem digitalen Führerschein weiter zu fördern.

 

Digitale ID – Wie sieht die Zukunft aus

Die Themen Digitalisierung, E-Government und Smart City sind einer großen Beschleunigung und großen Dynamik unterworfen. Es werden evolutionäre und disruptive Veränderungen stattfinden, denn einige der bisherigen Konzepte haben sich schlichtweg als nicht umsetzbar erwiesen.

So ist beispielsweise deutschen Bürgern nicht zu vermitteln, dass sie für die Nutzung ihrer digitalen Identität ein stationäres Lesegerät verwenden bzw. mit sich herumführen sollen. Zwar hält die bundesdeutsche Politik noch daran fest, sieht sich aber für sie disruptiven Initiativen aus der Wirtschaft entgegen, die bürgerfreundliche Ansätze in Sachen Usability bieten.

Da die rund 11.000 Kommunen in Deutschland selbst über digitale Identitäten und Online-Dienste entscheiden können, kommt ihnen besondere Bedeutung im digitalen Modernisierungs- und Transformationsprozess bei.

Mehr mobile Anwendungen und Nutzung mit der Digitalen ID

Da die Digitale ID immer mobiler werden wird, sind Software- und Hardware-Lösungen gefragt, die dem Rechnung tragen. Dieser Trend wird sich nicht mehr umkehren, auch wenn mobile Endgeräte immer größere Displays bekommen. Die Auswirkungen mobiler Konnektivität auf die digitale ID sind tiefgreifend und die Lektion für alle Stakeholder der Digitalen ID lautet daher „Mobil First“.

  • Von Forschungsinstituten wird angenommen, dass 75% der Internet-Nutzung im laufenden Jahr mobil sein werden.
  • Google, das die Zukunft verschiedener Technologien vorantreibt, bewegt sich bei seiner Planung in einer Welt, in der nur mobile Geräte verfügbar sind.

 

Nachfrage nach garantierter Sicherheit privater Daten

Durch die Datenschutzgrundverordnung (DGSVO) wird am dem 25. Mai 2018 ein verstärkter Schutz privater Daten und bei der Identität von Bürgern Standard sein. Die eigene Identität des Bürgers ist dabei der Konnex, der den Bürger mit seiner Gemeinschaft und der Gesellschaft verbindet.

Für die öffentliche Verwaltung wird die wichtigste Herausforderung darin bestehen, von Bürgern akzeptierte digitale Dienste zu schaffen, die ihre mobilen digitalen Identitäten als Verbindungsglied mit den Behörden, den Privaten und der Gesellschaft auch tatsächlich nutzen. Offen darf dabei nicht bleiben, wie die Behörden Garantien abgeben können, die bei Bürgern für Vertrauen sorgen, dass ihre privaten Daten sicher sind. Bausteine dafür sind:

  • Die Maßnahmen von Behörden zur Stärkung der Sicherheit und zur Bekämpfung von Internet-Betrug werden von den Bürgern gut angenommen.
  • Robuste und teilweise radikale Sicherheitsmaßnahmen werden die vertrauensbildende Antwort auf die Forderungen nach Sicherheit in allen Bereichen des Austausch von Daten zwischen Bürgern und Dritten sein.
  • Neue Dienste werden die digitale Souveränität der Bürger stärken.
  • Bürger werden mit dem Thema Sicherheit bei allem Mobilen und Digitalen das letzte Wort haben wird.

 

Smart City wird Spielplatz für Identitäten

Auf der ganzen Welt ist der Zuzug der Bevölkerung in urbane Lebensräumen einer der bestimmenden Trends des 21. Jahrhunderts. Zwangsläufig werden technologische Entwicklungen untrennbar mit dieser Massenmigration verbunden sein.

Die digitale und intelligente Stadt wird zu einem Spielplatz, auf dem die verschiedensten Verbindungen zwischen Stadtbewohnern, ihren Organisationen und öffentlichen Stellen bestehen. Dazu gehören intuitives, mobiles E-Government, bei dem die digitale Identität der Schlüssel ist, der den Zugang des Bürgers zu einer Vielzahl von privaten und behördlichen Diensten gewährleistet. Die digitale ID schafft ein einzigartiges Innovationsklima und die Chance kreative neuen Lösungen.

Smart Cities sind ihrer Natur nach mobile Umgebungen. Die Digitale ID wird daher eine virtuelle Nabelschnur darstellen, die jeden Bürger dauerhaft mit seinem öffentlichen und sozialen Leben verbindet. Die drumherum entstehenden intelligenten Dienste und Angebot werden sich wie ein Spielplatz anfühlen, auf dem der Bürger die verschiedenen Spielgeräte kennenlernen und nutzenlernen kann.

Denke national, handle lokal. In der mobilen Zukunft werden lokale Dienste noch relevanter.

 

Neue Geschäftsmodelle mit der Digitalen ID

Die eigentliche Quelle neuer Geschäftsmöglichkeiten ist nicht nur die digitale Identität selbst, sondern auch die unzähligen Anwendungen, die durch sie erst ermöglicht werden. Hier sehen Unternehmen interessante Geschäftschancen, es besteht jedoch die Gefahr, dass zahlreiche lokale Initiativen ein kohärentes und interoperables Spektrum an ID-Lösungen schaffen. Der Bürger wünscht sich allerdings der Einfachheit halber ähnliche Zugangslösungen bzw. einen nahtlosen Übergang von einer zu einer anderen Lösung.

Daher sollten regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen und eine enge Zusammenarbeit zwischen lokalen und übergeordneten Behörden und der Privatwirtschaft etabliert werden, unter Einbeziehung von Bürgern. Erfahrungen aus bereits etablierten und gut funktionierenden ID-Lösungen anderer Länder sollten dabei ebenso einbezogen werden, schließlich muss das Rad nicht von jedem Land oder jeder Kommune neu er erfunden werden.

Nicht sicher ist, ob bzw. wann der Wendepunkt und die kritische Masse für die Akzeptanz von digitalen Identitäten erreicht sind, zu groß sind die Unterschiede zwischen den Verwaltungen. Dennoch kann die Akzeptanz der digitalen ID gepaart mit den dazu zugehörigen Diensten die Verbreitung der digitalen ID exponentiell steigern.